Fastenverbot für Schulkinder gefordert: So reagiert die IGGÖ

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Fastenverbot für Schulkinder gefordert: So reagiert die IGGÖ

WIEN. Nachdem ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer ein Fastenverbot für schulpflichtige Kinder gefordert hat, meldet sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) zu Wort.

Ramadan Bild: BEAWIHARTA (X01068)

Jedem Politiker, der Verbote erlassen will, indem er die Fastenpraxis in ein schlechtes Licht stellt, müsse bewusst sein, dass er damit muslimische Werte angreift, erklärte IGGÖ-Frauenreferentin Carla Amina Baghajati.

Anlass für Nehammers Forderung sind Berichte von Lehrern, die immer wieder von geschwächten Kindern während des demnächst endenden islamischen Fastenmonats Ramadan berichten.

"Wenn religiöse Rituale – egal welcher Religion – die Gesundheit von Kindern gefährden, geht das eindeutig zu weit", meinte Nehammer am Donnerstag in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Selbstverständlich sei die Religionsfreiheit ein hohes Gut und er habe vollstes Verständnis für religiöse Rituale, aber: "Wenn die Religion über dem Kindeswohl steht, ist Schluss".

Nehammer verwies auf "unzählige" Lehrerberichte sowie auf Experten, die bei gesundheitlichen Schäden auf ein Fastenverbot hinweisen. "Es darf nicht sein, dass gesundheitliche Risiken für die Kinder entstehen und Pädagogen Schüler nicht mehr unterrichten können. Ich fordere ein Fastenverbot für schulpflichtige Kinder, die eindeutig geschwächt sind und nicht mehr dem Unterricht folgen können. Wenn sich die Erziehungsberechtigten darüber nicht im Klaren sind, muss es im Einflussbereich von Schulen strengere Regeln geben. Wir dulden bei Kindern keine Verantwortungslosigkeit", so Nehammer.

"Hier geht es nicht um das Kindeswohl"

Für die IGGÖ-Frauenreferentin Baghajati sei offensichtlich, dass es hier nicht um das Kindeswohl gehe, sondern vielmehr Ressentiments gegen den Islam und Muslime bedient würden. "Längst hat die Verbotspolitik den Charakter des rein Symbolhaften verloren. Zu tiefgreifend ist, wie hier Muslime ständig vor den Kopf gestoßen werden und man sie bewusst zu demütigen sucht. Dies führt zu einer gefährlichen Entfremdung in der Gesellschaft." Vor allem Kinder und Jugendliche bekommen diese Feindbildpolitik zu spüren. Es bestehe die Gefahr, dass sie sich deshalb bewusst von der hiesigen Gesellschaft abwenden oder – noch schlimmer – empfänglich werden für radikales Gedankengut.

Zur Fastenpraxis im Ramadan meinte Baghajati, dass Kinder ohnehin vom Fastengebot ausgenommen seien. "Sie sind körperlich im Wachstum und noch nicht religionsmündig. Freilich erleben sie die besondere Stimmung des Ramadan intensiv mit. Es gibt auch viele Kinder, die in verschiedenen Formen Anteil am Fastenmonat nehmen. Das heißt nicht, dass sie wie Erwachsene mitfasten. Aber sie probieren mitunter einen halben Tag zu fasten, machen ein 'Süßigkeitenfasten tagsüber' oder enthalten sich bewusst schlechter Rede. In Einzelfällen mag es auch dazu kommen, dass ein Kind, meist an der Grenze zur Pubertät, schon den ganzen Tag fasten möchte. Es ist Sache der Erziehungsberechtigten dies verantwortungsvoll zu begleiten." Über den Religionsunterricht werde zudem ein vernünftiger Umgang mit der Fastenpraxis vermittelt, so die Frauenbeauftragte.