Nicht jeder ist so cool wie Thiem

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Nicht jeder ist so cool wie Thiem

French Open: Zwei österreichische Fans mussten die Anlage in Roland Garros verlassen.

Nicht jeder ist so cool wie Thiem

Dominic Thiem wurde nach seinem Sieg von den Fans gefeiert. Bild: GEPA pictures

Start Mittwoch, 19.18 Uhr – Ende Donnerstag, 14.01 Uhr. Dominic Thiem hat sich bei den mit 39,2 Millionen Euro dotierten French Open in Paris mangels Flutlichts ziemlich lange mit dem griechischen Youngster Stefanos Tsitsipas beschäftigen müssen. Gestern machte Österreichs Tennis-Star aber kurzen Prozess und zog mit einem 6:2, 2:6, 6:4 und 6:4-Sieg letztlich doch souverän in die 3. Runde ein. Sein heutiger nächster Gegner (3. Spiel nach 11 Uhr, ORF Sport+) ist ein unbeschriebenes Blatt – Matteo Berrettini, Nr. 96 der Welt. Thiem hat noch nie gegen den 22-jährigen Italiener gespielt.

"Er muss gut sein, sonst wäre er nicht so weit. Ich werde mich gut vorbereiten und dann hoffentlich wieder stark sein", sagt der "Dominator", der trotz seiner erst 24 Jahre ziemlich cool auftritt.

"Fassen Sie mich nicht an!"

Damit unterscheidet er sich von zwei österreichischen Fans, die gestern auf dem erst heuer eröffneten Court 18 ganz im Westen der Roland-Garros-Anlage aus der Rolle fielen. Beide mussten das mit 2200 Fans angefüllte Stadion nach einem Streit mit einem Ordner verlassen. Letzterer hatte Besucher mit Nachdruck umdirigiert und von ihren Stehplätzen verstaubt, weil dort "Sperrbezirk" ist.

"Fassen Sie mich nicht an. Ich zahle hier 100 Euro – und dann legen sie das beste Match des Tages auf so einen Sch …-Court", beklagte sich der eine auf Englisch. Und das nicht zu leise. Damit war das Fass übergelaufen und der Verweis beschlossene Sache.

Die übrigen rot-weiß-roten Fans (ein paar Dutzend an der Zahl) verhielten sich gesittet. Mit "Gemma Domi", "Komm jetzt" und "Bravo" feuerten sie ihren Liebling Thiem an. Einige hatten Last-minute-Tickets um 35 Euro ergattert. Das ist ziemlich human für jede Menge Tennis und kein Vergleich zu jenen 2100 Euro, die die teuerste Finalkarte im freien Verkauf kostet.

Auch sonst kann man in diesem schmucken, sauberen und 8,5 Hektar großen Areal im 16. Pariser Bezirk viel Geld lassen. Zum Beispiel in der altehrwürdigen Boutique Lacoste oder in einem der Souvenirläden, wo vom Kugelschreiber (8 Euro) über Schlüsselanhänger (10), Trinkflasche im "Rote-Asche-Design" (20), Regenschirm (65), Hut (95) bis hin zur Uhr (105) alles zu bekommen ist, was das Herz begehrt.

Thiem hat noch keine Zeit zum Shoppen. "Es wird hoffentlich ein langes Turnier für mich, da sind Regenerationsphasen sehr wichtig", erläutert der Lichtenwörther.

Thiem lernt Französisch

Abends besucht Dominic gerne seinen Lieblings-Italiener, um Pasta zu sich zu nehmen. "Pizza mag ich auch, darf ich aber nicht", lächelt er. Süßigkeiten stehen ebenfalls auf der Verbotsliste. Nur wer topfit und schlank ist, kann es hier in Paris im Tennis weit bringen.

Die spiel- und trainingsfreie Zeit nützt Thiem, um Französisch zu lernen. "Fast täglich. Aber in der Öffentlichkeit traue ich mich da noch nicht drüber", schmunzelt der Weltranglisten-Achte, der mit der Wahl-Pariserin Kristina Mladenovic liiert ist. "Kiki" arbeitet gerade an ihrem Deutsch, im Moment läuft die Kommunikation zwischen den beiden "Turteltäubchen" noch auf Englisch ab.

Thiem beantwortet alle Fragen mit Engelsgeduld, auch wenn er sie vielleicht schon 100 Mal gehört hat. Das verlangt seine tadellose Kinderstube. Abgehobenheit ist ihm fremd, deshalb hatte Dominic auch überhaupt kein Problem, "nur" im viertgrößten Stadion angesetzt worden zu sein: "Es ist beeindruckend. Ich spiele lieber in einem vollen Haus als vor 7000 auf dem Chatrier, der sich dann halbleer anfühlt."