Fürchten Sie den Ärger der Fans?

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Fürchten Sie den Ärger der Fans?

LINZ. Eishockey: Präsident Peter Freunschlag über massive Veränderungen bei den Black Wings

Peter Freunschlag Bild: (Reinhard Eisenbauer)

Oberösterreichs Eishockey-Vorzeigeklub EHC Liwest Black Wings Linz bereitet den größten Umbruch in der Vereinshistorie vor. Mit voraussichtlich 16 Abgängen bleibt kein Stein auf dem anderen. Vielen Fans ist dieser gravierende Schnitt ein Dorn im Auge, Unmutsäußerungen in sozialen Netzwerken sind Programm. Die OÖNachrichten baten Präsident Peter Freunschlag zum Interview.

 

OÖN: Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung des Vereins? Die Mannschaft ist ja kaum wiederzuerkennen.

Peter Freunschlag: Es gab die Forderung, dass wir uns verjüngen und schneller werden müssen. Bis jetzt haben wir am Meistertitel gekratzt, jetzt wollen wir ihn auch. Das muss nicht in der kommenden Saison sein, aber in absehbarer Zeit. Für dieses Ziel haben wir viel Geld, ungefähr eine halbe Million Euro mehr als 2017/18, in den Kader gesteckt. Man kann schon sagen, dass es die teuerste Mannschaft in der Klubgeschichte ist.

Wenn jetzt auch noch Patrick Spannring den Verein verlässt – und danach sieht es aus –, wären 16 Spieler weg. Der Identitätsverlust ist ganz schön heftig. Fürchten Sie den Groll der Fans?

Nein, gar nicht. Der Kartenvorverkauf läuft ähnlich gut wie im vergangenen Jahr. Es wird immer ein paar Leute geben, denen etwas nicht passt. Sie haben ihre Lieblingsspieler – und wenn die nicht mehr da sind, sind sie unzufrieden. Aber ich bin mir sicher, dass der Erfolg sie trösten wird. Wenn einer gut spielt, ist er ein Hero. In diesem Sommer kommt eben viel zusammen. Einige haben aufgehört, andere mussten gehen, weil sie alt geworden sind. Eine Eishockey-Karriere kann nicht ewig dauern – auch nicht in Linz.

Verteidiger Erik Kirchschläger ist 22, im erweiterten Kreis der Nationalmannschaft, bei den Black Wings groß geworden und auf einmal in Graz gelandet. Das war nicht der Plan, oder?

Nein. Wir haben die Verträge gemacht – und plötzlich kam die Meldung von seinem Manager, dass er in Graz unterschrieben hat. Angeblich ging es ums Geld. Aber wenn ich ein Linzer Herz habe, gehe ich nicht wegen ein paar tausend Euro. Ich kann Kirchschläger nicht mehr bezahlen, weil sonst kommen andere auch daher und wollen mehr. Wir haben ein Gehaltsschema, das nicht schlecht ist – da brechen wir nicht aus.

Spannring hat noch einen Vertrag bis 2019 und wird trotzdem bald Linzer Geschichte sein.

Ja, das tut mir auch leid, aber der Trainer (Troy Ward, Anm.) möchte einen anderen Spieler. Da bliebe für Spannring nur ein Platz in der vierten Linie. Wobei: Die wird richtig gut sein und auch viel Eiszeit bekommen.

Robert Lukas wird neuer Nachwuchschef. Haben Sie auch eine Rolle für Bruder Philipp, verdienter Langzeit-Kapitän und seit 2000 im Verein, vorgesehen?

Wir haben leider kein Budget, um ihn fix anzustellen. Aber sporadisch, also auf Teilzeit, kann ich mir das vorstellen, Philipp macht ja auch eine Massageausbildung. Man könnte die Stunden dann mit der Zeit aufstocken.

Philipp Lukas könnte Off-Ice-Coach sein, also für das Training abseits des Eises verantwortlich zeichnen. Im Gegensatz zu anderen Top-Klubs ist diese Position bei den Black Wings verwaist.

Wir haben nie einen permanenten Off-Ice-Trainer gebraucht. Wir sind so ganz gut gefahren.

Trotzdem: Sollte man eine Klub-Ikone wie Philipp Lukas nicht unbedingt zu halten versuchen?

Ja, schon. Aber wie gesagt: Ich habe kein Budget.

Österreichs Eishockey-Nationalteam hat bei der A-WM den Klassenerhalt geschafft. Trotzdem wird über die Legionärsflut in der Erste Bank Liga diskutiert.

Mittelfristig sollte es schon das Ziel sein, die Zahl der Ausländer ein bisschen zu reduzieren. Aber man muss gleichzeitig darauf achten, dass die Österreicher nicht unerschwinglich werden. Denn dann kauft Red Bull Salzburg die Besten zusammen.