Drei Säulen auf unsicherem Fundament

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Von Katharina Hirschmann

    Aus drei Säulen, so Barbara Rett in ihren einleitenden Worten, bestehe diese Matinee im Konzerthaus: nämlich aus dem Jungpianisten Daniil Trifonov, dem Dirigenten Lahav Shani und dem Komponisten der Symphonie Nr. 5 (B-Dur), Sergej Prokofjew. Jeder der drei sei eine Kostbarkeit, so Rett in gewohnt schmeichelnder Manier. Ersterer deshalb, weil er als bedeutendster Pianist seiner Generation mittlerweile alle Hoffnungen in sich vereint.

    Diesem Druck hält er ohne sichtbare Schwierigkeiten auch bei Schumanns Konzert für Klavier und Orchester in a-Moll stand. Fast beiläufig lässt er seine Hände über die Tasten laufen, um auf manchen Tönen beinahe unmerklich zu verweilen und so einzelne Stellen emporzuheben in die Sphären der Wahrnehmung. Übertreibung hat Trifonov nicht mehr notwendig – und Schumanns Werk noch weniger.

    Das geht auch anders
    Prokofjew verdient deshalb die besondere Hervorhebung, so Rett, weil man erst seit einiger Zeit auch seine Symphonien entdeckt. Die Fünfte, die Kriegssymphonie, ist eine anspruchsvolle, weist zahlreiche Solostellen auf und erfordert einen stabilen Spannungsbogen. Lahav Shani treibt die Musiker immer wieder in vibratoreiche Fortissima, gestaltet die Übergänge abrupt und lässt das Stück vor allem als brachiales Ganzes wirken, dem es gesamt gesehen an Feinheit fehlt. Dass das auch anders klingen kann, weiß man von Aufnahmen von Karajan (bedrohlich-pompös), Maazel (mystisch), Celibidache (poetisch). Die Symphoniker unter ihrem ersten Gastdirigenten sind von jeder dieser Version noch ein ganzes Stück entfernt.

    Konzert

    Wiener Symphoniker

    Daniil Trifonov (Klavier)

    Lahav Shani (Dirigent)

    Konzerthaus