Danke, ich schau nur!

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Von Bernhard Baumgartner

  • Ist Steven Soderberghs „Mosaic“ ein Vorbote von mehr Mitmachfernsehen? Oder dürfen wir weiter passiv sein?

Sharon Stone in der App-Serie "Mosaic" als Autorin Olivia Lake.
Sharon Stone in der App-Serie „Mosaic“ als Autorin Olivia Lake.© Sky
Sharon Stone in der App-Serie „Mosaic“ als Autorin Olivia Lake.© Sky

Es ist also wieder einmal so weit. Das Fernsehen ist dabei, sich selbst neu zu erfinden. Und eines kommt bei solchen Anlässen vor wie das Amen im Gebet: das Mitmachfernsehen. Man kann es sich richtig vorstellen, wie in der Programmsitzung die Nerds aus der App-Abteilung sich vor Begeisterung gar nicht mehr einkriegen über die Vorstellung, dass man doch dem Zuschauer selbst überlassen könnte, wie es in einer Serie oder einem Film weitergeht. Dass man sich doch auch selbst seinen Weg durch eine Erzählung klicken könnte, ohne den vorgefertigten Pfad des Regisseurs gehen zu müssen. Aktiv statt passiv. Fit mach mit! Sozusagen das mentale Erweckungsprogramm für den lethargisch in seinem durchgesessenen Wohnzimmermöbel langsam vor sich hingammelnden Binge-Watcher.

Alleine: Will der das überhaupt? Oder ist man wieder einmal dabei, die Rechnung ohne den Wirt zu machen? Fast hat man den Eindruck: Ja. Denn das neueste Projekt „Mosaic“ – eine interaktive Serie des weltbekannten Regisseurs Steven Soderbergh für HBO – hat es nicht einmal nach Europa geschafft. Also, die sechsteilige TV-Version, sozusagen der Director’s Cut, schon. Diesen zeigt Sky seit Mittwoch auf Sky Atlantic und on demand. Aber die App, mit der man den Inhalt selbst durchspielen konnte, ist in den europäischen App-Stores nicht verfügbar. Auch die Web-Version ist solide geo-geblockt und lässt europäische User abblitzen. Das sagt eigentlich schon alles. Die Rechte dafür waren den Europäern offenbar das Geld nicht wert. Wer sich das TV-Experiment dennoch geben will, muss sich mit Tricks Zugang verschaffen, die das Ursprungsland verschleiern (Tor Browser – aber das haben Sie nicht von uns, OK?).

Dabei gibt es nichts zu verstecken, denn die Geschichte ist zwar nicht überragend, aber, wie man es von HBO gewohnt ist, astreine Hochglanzware. Niemand Geringerer als Sharon Stone gibt (in einer ihrer besten Rollen der vergangenen Jahre) die reichte Autorin Olivia Lake. Diese sitzt auf einem begehrten Luxusanwesen, auf dem sie die jungen, gut aussehenden Kerle nur so um sich herumschwirren lässt. Bis eine aus dem Ruder gelaufene Silvesterfeier den frivolen Cougar-Freuden der Stone (Pardon, Olivia) ein jähes Ende bereitet. Nur eine Blutspur auf dem Anwesen verrät, dass ein Verbrechen passiert sein muss. Nun ist der Zuschauer – Pardon! – User, dran. Vier Jahre später macht er sich auf die Suche nach Hinweisen, die darauf hindeuten dass Eric, der für die Tat im Gefängnis sitzt, gar nicht der Täter war. Jemand muss ihn als Sündenbock auserwählt haben.

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