Ein Kapitalist wie früher

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Von Bernhard Baumgartner

  • Dagobert Duck wird 70 Jahre alt. Oder 150. So genau weiß das keiner. Wie die Ente vom geizigen Reichen zum Sympathieträger wurde. Eine wirtschaftliche Hommage.

Cover des ersten deutschen Dagobert-Heftes 1957.
Cover des ersten deutschen Dagobert-Heftes 1957.© Egmont Ehapa
Cover des ersten deutschen Dagobert-Heftes 1957.© Egmont Ehapa

Wien. „Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle! Ich bin Dagobert Duck, Großbankier, Großindustrieller, Großhändler. Kurz, bei mir können Sie alles kaufen“, ließ dereinst bereits Carl Barks die reichste aller Enten sagen. Dagobert ist so reich, dass man für ihn schon eine neue Kategorie erfinden musste, den Fantastilliardär. So viele goldene Münzen und grüne Taler-Scheine lagern in seinem 30 mal 30 Meter großen Geldspeicher, der auf einem Hügel über der Stadt Entenhausen thront. Den Hügel (zu erkennen unter anderem an Schildern wie „Weg da!“ oder „Die Antwort lautet Nein!“ soll der alte Bertel dereinst bereits Emil Erpel selbst, immerhin den Gründen von Entenhausen, abgekauft haben.

Das war der Legende nach im Jahr 1902. Und dennoch wird in diesem Dezember sozusagen der 70 Geburtstag der Ente mit dem roten Gehrock, etwas aus der Zeit gefallenem Zylinder und Gehstock begangen. Eine minimale historische Diskrepanz? „Papperlapapp, Neffe“, würde da Dagobert sagen. Denn Dagobert war bei seinem ersten Auftritt 1947, gezeichnet von Disney-Schöpfer Carl Barks selbst, bereits 80 Jahre alt. So gesehen also eine ausgesprochen langlebige Ente, die seit damals als Projektionsfläche junger und alter Fans 70 Jahre lang durch das Duck’sche Universum watschelt. Oder besser rennt. Denn Zeit ist Geld und Geld ist – nun ja: Geld.

Zudem gibt dieser historische Umstand die Gelegenheit, dieser Tage sozusagen ein Doppeljubiläum zu feiern: 150. Geburtstag und 70. Geburtstag zum Preis von einem! Von dieser ungeheuerlichen Effizienz wäre wohl auch der alte Knauser fasziniert gewesen. Denn Feste sind bekanntlich teuer und somit sowieso ein unnötiger Luxus. Und diesen hätte sich Bertelchen, der normalerweise zum Geburtstag beim Bäcker nicht einmal einen trockenen Kuchen vom Vortag kaufen würde, bestimmt nicht so ohne weiteres gegönnt.

Das macht die Figur des Dagobert Duck eigentlich auf den ersten Blick wenig sympathisch. Ein alter Geizkragen, der lieber die alte Zeitung vom Boden aufklaubt, als sich die paar Kreuzer für ein neues Exemplar zu leisten: Den Gehrock hat er damals gebraucht gekauft, auch Stock und Zylinder waren ein Schnäppchen. Wenn er dann doch einmal etwas zahlen muss, verfällt er in spontane Weinkrämpfe, die sogar die Tränen fontänenartig aus den Augen schießen lassen, gepaart mit elendem Wehklagen: „Buhuhu meine armen Talerchen!“ Und doch hat sich Dagobert seinerzeit selbst für Barks eher überraschend in die Herzen der Leser geschlichen, der ihm dann doch eine gewisse Imagekorrektur zum Liebenswerten verpasste: der Großkapitalist aus eigener Kraft und mit untrüglichem Geschäftssinn, aber dann doch mit gutem Herzen.

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