Ein Quirl brät quer

12

  • Das Alban Berg Ensemble im Wiener Musikverein.

(irr) Zumindest am Zeitmanagement können sie noch arbeiten: An sich hätte das Konzert des Alban Berg Ensembles im Musikverein um 21.30 Uhr vorbei sein sollen; tatsächlich schwelgte die Kammer-Formation noch eine halbe Stunde später in üppiger Notenfülle – nach klassischen Event-Verhältnissen also bis in die Puppen.

Doch kein Problem: gab es eben mehr Musik fürs gleiche Geld. Und bei den Bergs, diesem aufgestockten und radikal umbenannten Folgeprojekt des Hugo Wolf Quartetts (nun plus Flöte, Klavier, Klarinette), kann man weder über die Qualität noch über die Programmwahl motschkern. Am Montag setzte es eine Mozart-Symphonie in Minibesetzung, einen Brocken Heutiges, drei Stückchen Kammerjazz und zum Kehraus 20er-Jahre-Moderne: Was die stiloffenen Sieben in ihrem Abo anbieten, könnte einem Festivalchef nicht besser einfallen.

Fast schon das Beste zu Beginn: Nach einer kleinen Aufwärmphase nimmt der Kopfsatz der „Prager Symphonie“ delikat Fahrt auf. Ein musikantischer Schwung speist diese Interpretation, dennoch dringt sie bis in die Kapillargefäße der Musik. Was für ein Kontrast zu den Klangbrocken von Michael Hersch: Seine „Variationen über ein Thema von Hugo Wolf“ urassen vor allem mit Schreckfarben; die Stücke von Kenny Wheeler danach, irgendwo zwischen Filmmusik und Third-Stream-Jazz angesiedelt, sind mit Lorenz Raab an der Trompete eine Labsal. Als Rausschmeißer die skurrile „Küchenrevue“ von Bohuslav Martinů: Ein querbratender Quirl wirbelt in diesem Ballett die Liebesbeziehung eines Topfs mit einem Deckel auf, musikalisch brodelt dazu ein Eintopf aus Charleston, Tango und Neoklassik – ein Spaß, bis zur letzten Note ausgekostet.

Konzert

Alban Berg Ensemble Wien

Musikverein, Brahms-Saal