Großpleite der umstrittenen Linzer Imperial-Gruppe fordert Justiz

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Großpleite der umstrittenen Linzer Imperial-Gruppe fordert Justiz

LINZ. Sechs Firmen inklusive der Cordial-Ferienhotels insolvent – Fast 22.000 Anleger betroffen.

Großpleite der umstrittenen Linzer Imperial-Gruppe fordert Justiz

In der Provinz Grosseto steht in einer riesigen Parkanlage das Cordial Hotel Toskana. Bild:

Es ist eines der größten Insolvenzverfahren, die das Linzer Konkursgericht je zu bewältigen hatte: die Pleite der Firmengruppe Imperial inklusive der Cordial-Hotels. Dass dem so ist, ist dem Geschäftsmodell der Firmengruppe geschuldet: Es basiert darauf, dass private Geldgeber an den Verlustbeteiligungsmodellen teilnehmen. Bei Imperial sind es 15.300 Investoren, bei der Ferienhotel-Gruppe Cordial weitere 6300.

Um die vielen Einzelforderungen zu bündeln, hofft die Schuldnerseite auf den Verein für Konsumenteninformation, der im Gläubigerausschuss zusätzlich zu den Gläubigerschutzverbänden diesmal vertreten ist. "Man wird auf die Clubmitglieder zukommen und sie bei der Anmeldung ihrer Forderungen unterstützen", kündigt Rudolf Mitterlehner an.

Der renommierte Linzer Anwalt berät die sechs Schuldnerfirmen (mit etwa 120 Beschäftigten) bei der Abwicklung des Sanierungsverfahrens – und beim Verkauf von Objekten. Dieser wird nötig sein, um die angebotene Sanierungsquote von 20 Prozent zahlbar innerhalb von zwei Jahren zu stemmen, sagt Mitterlehner.

Verkaufsgespräche laufen

Der Anwalt sagt, es habe bereits Vorgespräche mit möglichen Käufern gegeben. Um welche und wie viele der 100 Objekte und acht Hotels es sich handelt, wollte Mitterlehner nicht sagen, weil jetzt die Sanierungsverwalter Gerhard Rothner und Peter Shamiyeh das Sagen hätten. Der Anwalt geht davon aus, dass die Immobilien über den Sanierungszeitraum verkauft werden: "Dann sind die Objekte auch werthaltig. Bei kurzfristigen Verkäufen wären die Preise nicht zu halten." Eine Zerschlagung sei nicht geplant, so Mitterlehner. Die Firmen würden geschrumpft.

Wie kam es überhaupt zur Insolvenz? Das Geschäftsmodell von Imperial war jahrzehntelang umstritten und Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren. Seit Anfang der 1990er Jahre wurde Imperial immer wieder vorgeworfen, die Wertpapiere, in denen die Rechte verbrieft waren, seien schwer handelbar. Erst 2015 wurde ein Verfahren wegen Anlegertäuschung und Veruntreuung eingestellt. Zudem ist das Firmengeflecht schwer zu durchschauen.

Jetzt hat allerdings der Oberste Gerichtshof (OGH) das grundlegende Geschäftsmodell gekippt. Die 58 Millionen Euro, die 15.300 atypische Gesellschafter allein bei Imperial einbezahlt haben, sind demnach kein Eigenkapital mehr, sondern Fremdkapital, weil mit der atypischen Beteiligung keine Mitsprache verbunden sei. Damit wich der OGH von seiner bisherigen Rechtsprechungslinie ab. In der Konsequenz können Gesellschafter ihr Kapital samt Vorwegbezügen und Zinsen abziehen. Das heißt, Imperial muss plötzlich viel Geld zur Verfügung stellen.

Die Schulden der sechs betroffenen Firmen belaufen sich laut Creditreform und KSV insgesamt auf mehr als 100 Millionen Euro.

Der Unternehmer Faramarz Ettehadieh hatte Imperial 1973 gegründet. Ziel war unter anderem die Errichtung von Immobilien in Österreich, Deutschland, Ungarn und Italien, die Beteiligung an Filmprojekten ("Georg Elser" mit Klaus Maria Brandauer), aber auch die Mitgründung des Wirtschaftsblatts 1995. Die Imperial Kapitalbeteiligung GmbH & Co KG weist 68,9 Millionen Euro an Verbindlichkeiten auf. Der Cordial Ferienclub kommt auf 36,8 Millionen, drei weitere Gesellschaften auf sechs Millionen Euro.