Mailänder Triennale zeigt einzigen Kokoschka-Wandteppich

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„Webereien aus dem 20. Jahrhundert“ lautet der Titel der bis zum 8. Oktober laufenden Ausstellung, die von der Mailänder Galerie „Moshe Tabibnia“ unter dem Schutzschirm des italienischen Kulturministeriums und der Stadt Mailand organisiert wurde. Die Galerie bemüht sich seit Jahren um die Erhaltung von Italiens Kunsterbe in der Produktion von Teppichen und Wandteppichen. 107 wertvolle Exponate aus zeitgenössischen Kunstmuseen und Privatsammlungen, sowie circa 160 Zeichnungen sind bei der Ausstellung zu bewundern.

Kokoschka entwarf seine einzigen beiden Wandteppiche mit dem Mailänder Elio Palmisano, Eigentümer einer renommierten Wandteppich-Fabrik. Die beiden einigten sich, als Muster zwei Lithografien aus der Serie „Die träumenden Knaben“ aus dem Jahr 1908 zu verwenden. „Das Mädchen, Li und Ich“, sowie das „Segelschiff“, heißen die beiden Lithografien. Sie dienten der Bebilderung eines Märchens, das Kokoschka geschrieben hatte.

Kokoschka und Palmisano entwarfen im Mailänder Atelier des Unternehmers zwei große Modelle aus Karton als Muster für die Wandteppiche. Der Expressionist wählte selber die Farben, sowie die Wolle- und Seidenfäden für die wertvollen, handgefertigten Wandteppiche. „Als Kokoschka den Prototyp des 2,35 mal 2,15 Meter großen Wandteppichs sah, war er beeindruckt“, berichtet Palmisano. Bei der Triennale-Ausstellung ist der Wandteppich mit dem Titel „Das Mädchen, Li und Ich“ ausgestellt, der zweite ist unauffindbar.

Gezeigt werden in der Triennale Wandteppiche und Teppiche, die namhafte italienische Manufakturen mit Künstlern des 20. Jahrhunderts entworfen haben, darunter Giacomo Balla, Mario Sironi und Renato Guttuso.

„Viele Künstler der Vergangenheit und der Gegenwart interessieren sich für Wandteppiche und Teppiche. Das 20. Jahrhundert war ein fundamentales Jahrhundert für die Textilwelt. Seit den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts haben Künstler und künstlerische Bewegungen in ganz Europa die antiken Webtechniken wiederentdeckt und sie für moderne Werke verwendet. Textilkunst und Malerei verknüpfen sich immer mehr“, so der Kurator der Ausstellung, Moshe Tabibnia.