Hedy, die nackte Puppe von Hollywood

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Hedy, die nackte Puppe von Hollywood

Sandra Cervik reflektiert das Leben der legendären Hedy Lamarr. THEATER IN DER JOSEFSTADT/SEPP GALLAUER Bild: SN/theater in der josefstadt

Dass auch ein Peter Turrini der Faszination, die von Hedy Lamarr ausgeht, erlag, ist nachvollziehbar. Dabei ist von der Frau vor allem eines geblieben, die sieben Sekunden lange Szene, als Hedy Lamarr als erste Nackte der Filmgeschichte über die Leinwand rannte. Das war 1933, der Film hieß „Ekstase“. Weitere Filme blieben nicht in Erinnerung, allerdings war die Österreicherin ungeschickt genug, Angebote wie „Casablanca“ oder „Gaslight“ auszuschlagen, worüber sich Ingrid Bergman freuen konnte. Die nackte schlanke Frau hatte also ihre „Sieben Sekunden Ewigkeit“, und so heißt auch das neue Stück von Peter Turrini, das im Theater an der Josefstadt am Donnerstag bei der Uraufführung herzlich beklatscht wurde.

Als ob das Leben der legendären Hedy Lamarr (1914-2000) nicht schon bunt genug wäre, hat es Peter Turrini mit weiteren Legenden ausgestattet, springt durch die Jahrzehnte und lässt eine Frau am Ende ihrer Tage reflektieren. Sie ist in ihrem Haus in Florida, umgeben von einem Dutzend Schaufensterpuppen. Die berühmte Nacktszene wird immer wieder projiziert (Regie Stephanie Mohr). Ein unsichtbarer Polizist namens Jimmy ist der Ansprechpartner für die alte Dame, die ziemlich angesäuselt mit schwerem Zungenschlag schwadroniert und vor allem eines wünscht: Jimmy solle nach ihrem Tod mit ihrer Asche nach Wien fahren und sie dort, auf der Höhenstraße bei Kilometer 21 verstreuen. Turrini lässt auch „wahre Begebenheiten“ locker einfließen in seinen Monolog. So etwa die Ehe der erst 17-jährigen Schönheit mit einem Waffenhändler, in dessen Haus alles aus purem Gold ist. In dessen Firma lässt sich Hedy von hübschen Ingenieuren technische Probleme erklären. Die echte Hedy Lamarr erfand gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil das Frequenzsprungverfahren für eine störungssichere Torpedosteuerung, die heute der Mobiltelefonie nützt. Schön und gescheit also, das war Hedy Lamarr. An der Erfindung der ewigen Jugend scheitert sie allerdings, nicht nur bei Turrini, der allerhand Pointchen einbaut. Beispielsweise, wie Hedy Lamarr sich von Max Reinhardt entdecken ließ – zum Ärger ihres Waffenfabrikanten-Gatten in Hirtenberg. Es gebe heute noch in der Josefstadt, wo Reinhardt damals Direktor war, den Tisch, auf dem Liebe gemacht wurde. „Heute will kein Theaterdirektor mehr etwas von mir“, seufzt Sandra Cervik alias Hedy Lamarr.

San dra Cervik verausgabt sich in diesem eineinhalbstündigen Monolog, eine ausgezeichnete Leistung. Sie scheut weder den unansehnlichen Fat Suit der aufgequollenen alten Dame, macht den zunehmenden geistigen Verfall ebenso spürbar wie eine Art tiefer Verzweiflung über ein blindwütig gelebtes Leben.

Auch wenn es nicht historisch getreu ist, aber Turrini, der eine flüssige Erzählform findet, lässt Cervik ihre Flucht als zwölfjähriges Mädchen schildern, das dem Pogrom in Osieczek entkommt und sich allein bis nach Wien durchschlägt, wo es am Kahlenberg von Visionen heimgesucht wird. Mehrere dieser berührenden Momente gibt es, für die Sandra Cervik den richtigen Ton ohne jedes Pathos findet. Es findet sich Schmerzhaftes im Monolog ebenso wie sehr heitere Betrachtungen dieser Frau, die sich von Männern zwar aushalten, nie aber festhalten ließ. Eine schöne Theaterfigur, die Turrini da glückte.

Schauspiel: „Sieben Sekunden Ewigkeit“ von Peter Turrini, Theater in der Josefstadt. 17., 18., 30., 31. Jänner, 20., 21., 22.Februar. Bis 9. Juni.