Wichtiger Weckruf im Sirenengeheul

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Eishockey: NHL-Star Michael Raffl spart nach dem 0:2 gegen Frankreich nicht mit Kritik:

Wichtiger Weckruf im Sirenengeheul

Maßlos enttäuscht: Michael Raffl, Rafael Rotter, Bernhard Starkbaum, Mario Altmann (von links)
Bild: APA

Mittwoch, 12 Uhr, 15 Minuten vor dem Training der Österreicher: Es ist verdammt laut in Prag. Blaulicht, Folgetonhorn, dazu eine generalstabsmäßig angeordnete Sirenen-Großübung. Bezeichnend für die Stimmung im rot-weiß-roten Eishockey-Team nach der 0:2-Niederlage gegen Frankreich, die ohne Zweifel ein Rückschlag in den Bemühungen um den Klassenerhalt war? Jein.

Noch schrillen die Alarmglocken nicht, aber die Töne waren schon einmal gemütlicher. Das ist kein schlechtes Signal. Es gab schon Zeiten, da wurden solche Schlappen schöngeredet. Nach dem Motto: "Wir haben dominiert, eh nicht schlecht gespielt, jedoch kein Glück gehabt."

Mag richtig sein bei gezählten drei Stangenschüssen, ändert allerdings nichts an der 08/15-Weisheit: Wer keine Tore schießt, kann nicht gewinnen.

Noch zwei "Endspiele"

Es verwundert daher nicht, dass Österreichs WM-Aushängeschild, Michael Raffl, dekorierter NHL-Legionär in Diensten der Philadelphia Flyers, das Wort ergriffen und seinem Frust freien Lauf gelassen hat. Es ist keine Abrechnung mit Mitspielern, keine Ansammlung von Schuldzuweisungen, sondern gnadenlose Selbstkritik.

Durchaus sympathisch und nicht unbedingt ein rot-weiß-rotes Phänomen. Da fallen Worte wie "scheibenverliebt, ineffizient, künsteln, in Schönheit sterben".

Ein Weckruf im richtigen Moment, weil die Mannschaft von Daniel Ratushny immer noch zwei Chancen hat, um den Gang in die Zweitklassigkeit abzuwenden.

Nach dem morgigen "Knüller" gegen Gastgeber Tschechien muss der Fokus auf die Duelle mit den "Kellerkindern" Lettland (Samstag) und Deutschland (Montag) gerichtet sein.

Vanek vor dem Play-off-Aus

Es ist noch nicht zu spät, wenngleich nach der "Nullnummer" gegen die Equipe tricolore wieder Rufe nach Thomas Vanek laut geworden waren: "So einer macht eben ein Tor und vielleicht den Unterschied." Der Steirer wird aber auch dann nicht mehr zum WM-Thema werden, sollte er mit seinen Minnesota Wild in der Nacht auf morgen im NHL-Play-off-Viertelfinale scheitern. Danach sieht’s im Moment aus. Vanek gab beim 0:1 gegen Chicago drei Schüsse ab, den 0:3-Rückstand in der Best-of-seven-Serie vermochte aber auch er nicht zu verhindern.

Ein Stürmer für die Black Wings

Egal ob Prag oder St. Paul – ein Königreich für einen Goalgetter! Die Black Wings sind diesbezüglich in der höchsten deutschen Liga (DEL) fündig geworden. Die Linzer gaben gestern die Verpflichtung des 30-jährigen Flügelstürmers Dan DaSilva (1,85 m/88 kg) von den Augsburger Panthern bekannt.

17 Tore, 19 Assists – das war die Ausbeute des Kanadiers in der vergangenen Saison. Darüber hinaus hat er 411 Einsätze und 223 Scorerpunkte in der AHL (Kategorie unter der NHL) zu Buche stehen, einen entsprechenden Körper und Kreativität zu bieten.

Der Vorwurf der Eigensinnigkeit haftete auch Justin Keller, der sich trotzdem durchgebissen hat, an. Coach Rob Daum wird DaSilva diese Flausen schon austreiben. "Wir sind jetzt körperlich stärker", weiß Manager Christian Perthaler.