Der „Jahrhundert-Boxkampf“ endete mit Buh-Rufen

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LAS VEGAS. Abkassiert: Floyd Mayweather wusste bei seinem einstimmigen Punktsieg gegen Manny Pacquiao in Las Vegas nicht zu glänzen, kassierte dafür aber 180 Millionen Dollar Gage.

Der "Jahrhundert-Boxkampf" endete mit einer Enttäuschung und Buh-Rufen

Bis auf Floyd „Money“ Mayweather war keiner in der MGM Grand Garden Arena so richtig in Feierstimmung. Bild: Reuters

Viel Wirbel – um fast nichts: Der vermeintliche Box-Kampf des Jahrhunderts zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao war sportlich gesehen ein Allerwelts-Kampf. Mit zwei Überraschungen nach dem Schlussgong. Schon vor dem Urteil sprang der siegessichere Floyd Mayweather in seinen schwarz-goldenen Shorts auf die Ringseile – und wurde von den meisten der 16.507 Zuschauern ausgebuht. Das Box-Großmaul aus den USA hatte in Las Vegas den sehnlichst erwarteten 400-Millionen-Dollar-Kampf gegen den Filipino Manny Pacquiao deutlich mit 118:110, 116:112, 116:112 gewonnen. Doch der "Kampf des Jahrhunderts" war den Hype nicht ganz wert.

Mayweather hatte erneut effektiv geboxt und mit seiner kontrollierten Defensive Erfolg. Pacquiao wirkte zwar offensiver, hatte letztlich aber nicht die Schlagkraft, um seinen Kontrahenten oft genug wirkungsvoll zu treffen. "Ich habe mein Bestes gegeben, aber das war nicht gut genug", meinte er. Weitaus überraschender kam jedoch dann die Aussage des 36-Jährigen, mit einer Verletzung geboxt zu haben. Sein Promoter Bob Arum hob hervor, dass sich Pacquiao vor einigen Wochen im Training die rechte Schulter verletzt habe. Ab der dritten Runde sei dies ein Hindernis für seinen Schützling gewesen.

Während Experten und Fans in aller Welt den Kampf bitter enttäuscht kommentierten, rechtfertigte sich Mayweather für seine unspektakuläre Darbietung. Ein anderer Kampf sei gegen einen Gegner dieses Kalibers nicht möglich gewesen: "Ich musste alles geben, um zu gewinnen. Ich weiß jetzt, warum Pacquiao so berüchtigt ist." Auch viele Promis verließen weitgehend ernüchtert die MGM Grand Garden Arena. Die Hollywood-Stars Clint Eastwood und Robert De Niro gehörten genauso dazu wie die früheren NBA-Giganten Michael Jordan und Magic Johnson oder Tennis-Ikone Steffi Graf. Popstar Sting brachte es nach der zwölften Runde auf den Punkt: "Ich mag ja die Boxer. Aber das war heute kein Jahrhundert-Kampf."

 

Zahl des Tages

180 Millionen Dollar oder 179.808.511 Dollar auf den Cent genau hat Floyd Mayweather für 36 Minuten Arbeitszeit im Ring verdient. Noch eindrucksvoller wird diese Zahl, wenn es auf den Minutenlohn umgerechnet wird. 4.994.681 Dollar hat der amerikanische Boxer dabei kassiert. Auch das Schmerzensgeld für Verlierer Manny Pacquiao ist beachtlich. Er kassierte 119.872.340 Dollar.

 

Rocky-Marke im Visier

Zu einem Rückkampf werde es nicht mehr kommen, das hatte Mayweather nach seinem 48. Sieg im 48. Fight bereits ausgeschlossen. Der über alle Gewichtsklassen hinweg beste Pound-for-Pound-Boxer will im September noch einen Kampf machen und dann ungeschlagen abtreten. Damit hätte er den Langzeit-Weltrekord von Rocky Marciano geknackt, der in den 1950er-Jahren nach 49 Kämpfen ohne Niederlage als Weltmeister ebenfalls Schluss gemacht hatte.

Insgesamt hat Mayweather fünf WM-Titel. Diese will er allesamt zu Beginn dieser Woche niederlegen. „Es ist Zeit, dass andere, Jüngere um diese Gürtel kämpfen. Ich bin nicht habgierig“, meinte Mayweather.
Auch Pacquiaos Zeit dürfte nach der sechsten Niederlage im 64. Kampf bald zu Ende gehen. Als Besitzer eines Basketballteams, Gelegenheitsschauspieler und -sänger sowie Regierungschef der Provinz Sarangani auf den Philippinen wird ihm aber so schnell nicht fad.

 

Pressestimmen

„Protz-Boxer Mayweather gewinnt 400-Millionen-Kampf. Es sollte der Kampf des Jahrhunderts werden und er hat durchaus gehalten, was versprochen wurde.“
Bild, Deutschland

„Fliege tänzelt und hebt die Faust – ein Jahrhundertkampf ist es nicht, ein großes Spektakel durchaus: Floyd Mayweather gewinnt gegen Manny Pacquiao nach Punkten. Der Hammer folgte nach dem Schlussgong: Floyd Mayweather will die gerade gewonnenen Gürtel zurückgeben und seine Weltmeistertitel niederlegen. Nicht irgendwann, sondern ganz bald.“
Süddeutsche Zeitung, Deutschland

„Der Jahrhundert-Boxkampf ist Geschichte, Floyd Mayweather der grosse Sieger. Oder doch nicht? Die Fans und sein Gegner sind anderer Meinung.“
Blick, Schweiz

„Mit seinem Triumph hat Mayweather den Status als bester Boxer seiner Generation einzementiert.“
BBC Sports, Großbritannien

„Stand Mayweather in seinen letzten Kämpfen in der Mitte des Rings, besann er sich gegen Pacquiao auf seine Stärken, die in der Defensive liegen. Das war der Schlüssel zum Erfolg.“
New York Times, USA

„Der Kampf des Jahrhunderts war ein bisschen ein Reinfall.“
Sports Illustrated, USA

 

Reaktionen

Enttäuscht: Der „Kampf des Jahrhunderts“ wurde den Erwartungen vieler nicht gerecht. Nach dem Sieg von Floyd Mayweather gegen Manny Pacquiao waren prominente Fans und Box-Experten enttäuscht. Einer fand im Fernsehen recht deutliche Worte.

Graciano Rocchigiani (ehemaliger Box-Weltmeister): „Ein langweiliger Scheiß-Kampf.“

Dirk Nowitzki (deutscher Basketball-Star): „Mehr erwartet. Floyd ist zu lang und zu schnell.“

Lennox Lewis (früherer Schwergewichts-Champ): „Pax knackte den Mayvinci-Code nicht.“

Manny Pacquiao (unterlegener Weltmeister): „Ich dachte eigentlich, dass ich vorne liege.“